Anklamer Stadtbruch

Anklamer Stadtbruch - Landschaft

Der Anklamer Stadtbruch ist eine 2.000 ha große Moorlandschaft in der Nähe von Anklam an der Mündung der Peene in Mecklenburg-Vorpommern an der Deutschen Ostsee. Es besteht aus Moor- und Moorwäldern (Bruch) sowie Moor- und Schilfwiesen. Durch Zufall entwickelte es sich zum größten Wiederbenetzungsgebiet in Deutschland.

Entstehung des Anklamer Stadtbruch

Eine Überschwemmung der Ostsee im Winter 1995/96 zerstörte die Deiche und überschwemmte weite Teile des Moores. Seitdem hat die Landnutzung aufgehört und die Vegetation verändert sich dramatisch. Geringere Subventionen für die Wartung von Pumpstationen und ein nachlassendes Interesse an der Landnutzung verhinderten eine erneute Entwässerung des Gebiets und lösten eine kontroverse und heftige Diskussion aus. Heute ist der Anklamer Stadtbruch eines der eindrucksvollsten Restaurierungsgebiete in Deutschland. Nährstoffarme Moorreste, ausgedehnte Gewerbewälder, Torfabfälle und intensiv genutzte Grünlandflächen verwandeln sich in eutrophische Sümpfe. Da die Wiederbenetzung durch natürliche Überschwemmungen ausgelöst wurde, ist dies der Fall Eher geeignet, die Prozessregeneration als die Wiederherstellung zu bezeichnen, selbst wenn die Überflutung noch gehandhabt wird. Der Anklamer Stadtbruch ist Teil des Naturschutzgebietes Peenetal, eines geplanten NATURA 2000-Geländes und eines bundesweiten Naturschutzgroßprojekts.

Anklamer Stadtbruch - Moor

Kurze Info über den Sumpf

Der Anklamer Stadtbruch liegt 10 km östlich von Anklam am Südufer des Oderhaffs, einer Ostseelagune. Der Sumpf entwickelte sich in einem Gletscherbecken, das während der letzten Etappen der Weichsel-Eiszeit geformt wurde. Der Moorkomplex umfasste drei hydrogenetische Moortypen, den primären von der Ostsee periodisch überfluteten Küstenüberschreitungsmoor, den sekundären Perkolationsmoor, der durch das Versickern von Grundwasser aus den Moränen gespeist wird, und den tertiären Zentralmoor, das nur mit Regenwasser gespeist wird. Das Substrat besteht aus Erle, Segge, Schilf und – in der Mitte – Torf mit einer durchschnittlichen Dicke von 3 m.

Nutzung vom Anklamer Stadtbruch

Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts war der Anklamer Stadtbruch teilweise von offenen Weidewäldern bedeckt. Feuchte Wiesen blieben entlang der Lagune bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts bestehen, als Gräben gegraben wurden und im zentralen Teil des Moores mit dem Torfabbau begonnen wurde. Die großtechnische kommerzielle Torfgewinnung begann um 1850 und boomte bis 1880. Der Torf wurde über drei Hauptkanäle in die nahe gelegene Stadt Anklam transportiert und als Brennstoff verkauft. Nach einer kurzen Renaissance nach dem Zweiten Weltkrieg hörte der Torfabbau schließlich 1955 auf. In den folgenden Jahrzehnten drangen Bäume in die meisten Torfabschnitte ein.

Nur der zentrale Teil der größten Förderanlage „Große Kuhle“ blieb offen und wurde von Molinia caerulea (Purpurrotes Moorgras) befallen. Im frühen 20. Jahrhundert waren die nördlichen unteren Teile des Moores noch von den Überschwemmungen der Ostsee betroffen.

1932/33 wurden ein Deich und zwei Pumpstationen gebaut, um die Wiesen vor Überschwemmungen zu schützen. Nichtsdestotrotz wurden Teile des Gebiets nach schweren Überschwemmungen in den Jahren 1971, 1973 und 1978 schwer beeinflusst. Um die Auswirkung von Überschwemmungen zu verringern und die Grünlanderträge zu erhöhen, wurde die Entwässerung Mitte der 1970er Jahre erneut drastisch intensiviert. Diese Entwässerung ist jedoch ebenfalls schuld, dass die zentralen Wälder im Sommer teilweise an Wassermangel starben. Die neu ermittelte Hydrologie wird durch die Höhe der Mooroberfläche (mittlerer Wasserstand) und die Wasserströmungsmuster bei Flut bestimmt.

Geschichte der Erhaltung und Restaurierung

  • 1920er Jahre: Zwei ha der Wiesen mit einer artenreichen Schmetterlingsfauna werden als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
  • 1967: Auch das zentrale Moorgebiet (~ 500 ha) und eine umliegende Pufferzone werden als Naturschutzgebiet ausgewiesen (insgesamt 1.200 ha). Einige Gräben, insbesondere im Moorbereich, sind geschlossen. Obwohl sich die Situation leicht verbessert, findet keine Revitalisierung des Moores statt.
  • Anfang der 1990er Jahre: Nach dem Ende der DDR nimmt die Intensität der Grünlandnutzung rapide ab.
  • 1992 wird der schrittweise Abbau der Subventionen für das Pumpwerk angekündigt.
  • November 1995: Eine der schwersten Überschwemmungen des 20. Jahrhunderts trifft die Küste Mecklenburg-Vorpommerns: Dünen, Klippen und Strände werden weggespült, Pfeiler, Häfen und Boote zerstört. Im Oderhaff bleibt das Wasser 25 Stunden lang etwa 1 m über dem mittleren Meeresspiegel. Der gesamte Stadtbruch, mit Ausnahme des zentralen Moorrestes, ist überflutet.
  • 1995-99: Unklare Situation: Verschiedene Interessengruppen streiten stark über die Zukunft des Stadtbruchs. Die diskutierten Optionen reichen von der spontanen Regeneration bis zur kompletten Rekonstruktion des Drainagesystems. Die meisten Bewohner ziehen es vor, die Deiche wieder aufzubauen und das Gebiet wieder zu entwässern. Sie befürchten, dass künftige Überschwemmungen Häuser treffen, Mücken anziehen und Malaria fördern könnten. Sie wollen weiterhin die Möglichkeit der Jagd und Erholung erhalten
    und Abneigung gegen „absterbende Wälder und verrottende Sümpfe“. Auf der anderen Seite plädieren Naturschützer dafür, die Chance einer Moorregeneration zu nutzen.
  • Frühling 1996: Das Wasser wird abgepumpt und die Wiesen erholen sich teilweise. Da der Deich nicht repariert wird, wird der Anklamer Stadtbruch im Winter 1996/97 erneut überflutet.
  • 1997: Das Land Mecklenburg-Vorpommern gibt bekannt, die Deiche nur zu reparieren, wenn die Wiesen noch mindestens 10 Jahre genutzt werden. Angesichts steigender Kosten weigern sich die Landnutzer, solche Garantien zu geben. In der Folge werden Pumpstationen abgeschaltet und die Grünlandnutzung gestoppt.
  • 1998: Die meisten Teile des Gebiets unterhalb des mittleren Ostseespiegels (Abb. 4.1) werden das ganze Jahr über zum ersten Mal überflutet, und viele Bäume sterben ab.
  • 1999: Der regionale Wasserverband initiiert den Bau eines neuen Deiches an der südwestlichen Grenze des Stadtbruchs zum Schutz der Dörfer Rosenhagen und Bugewitz.

Video – Über 200 Seeadler im Anklamer Stadtbruch

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Weitere Vogelarten im Anklamer Stadtbruch

  • Stelzenläufer mit schwarzen Flügeln
  • Wendehals
  • Rotrückenwürger
  • Schnurrbartseeschwalbe
  • Seeschwalbe
  • Montagues Harrier
  • Gemeiner Kranich
  • Mittelmeermöwe
  • Blaukehlchen
  • Waldsänger
  • Gefleckter Crake
  • Rohrdommel
  • Seeadler
  • Großer Kormoran
  • Mittelspecht
  • Bartmeise
  • Aquatischer Trällerer
  • Gans mit rosa Füßen
  • Rotkehlchen
  • Schreiadler
  • Greater Scaup
  • Ferruginous Ente
  • Kleiner Stint
  • Temmincks Stint
  • Seeschwalbe
  • Kaspische Möwe
  • Gelbbeinige Möwe
  • Breitschnabel-Flussuferläufer
  • Rothalsphalarope
  • Halskrause
  • Hörnentaucher
  • Avocet
  • Long-tailed Skua
  • Arktische Raubmöwe
  • Küstenseeschwalbe
  • Sandwich Seeschwalbe
  • Wiedehopf
  • Terek Flussuferläufer
  • Rock Pipit
  • Wasser Pipit
  • Jackschnepfen

Genaue Lage und Karte des Anklamer Stadtbruchs

Google Maps

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