Ostseebad Zinnowitz

Strand Zinnowitz
Strand-Zinnowitz / ©SinaEttmer/depositphotos.com

Ausgezeichnete Küche mit fangfrischen Ostseefischen: Das ist nur ein Argument, um seinen Urlaub in Zinnowitz auf Usedom in Mecklenburg-Vorpommern zu verbringen. Das Ostseebad, an der Deutschen Ostsee, ist ein bei Alt und Jung beliebtes Reiseziel mit einer Menge Attraktionen.

Zinnowitz auf einen Blick

Zinnowitz liegt im Nordwesten von Usedom, eingeklemmt zwischen Ostsee und Achterwasser. An der schmalsten Stelle sind es keine zwei Kilometer von der Brandung bis ans Boddenufer. Auf 8,83 Quadratkilometern leben hier 4.221 Menschen (Stand März 2026, Amt Usedom-Nord), womit der Ort zu den größten Gemeinden der Insel zählt. Ländliche Abgeschiedenheit erwartet den Gast also nicht, dafür einen Ort mit Bahnhof, Therme, Theater und Supermarkt in Fußnähe.

Der Ortsname geht auf die slawische Siedlung „Tzys“ zurück, die 1309 als Besitz des Klosters Krummin in einer Urkunde auftaucht. Über die Deutung streiten die Quellen: Die einen leiten ihn von der Eibe ab, die anderen sehen einen preußischen Amtmann namens Johann Christoph Zinnow als Namenspaten, in dessen Zeit die heutige Schreibweise um 1751 üblich wurde. Belegt ist dagegen der 16. Juni 1851, an dem Zinnowitz den Badekonsens erhielt. Der Badebetrieb wird 2026 also 175 Jahre alt.

Villa an der Promenade von Zinnowitz,
Villa an der Promenade von Zinnowitz / ©Hackman/depositphotos.com

Was den Ort von den Kaiserbädern unterscheidet

Wer Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin kennt, merkt in Zinnowitz schnell den Unterschied. Weniger Prunk, kürzere Wege, spürbar mehr Alltag. Zu DDR-Zeiten war der Ort Ferienziel der SDAG Wismut, das heutige Hotel Baltic hieß damals „Roter Oktober“ und war Betriebsferienheim. Diese Herkunft merkt man dem Ort bis heute an, positiv: Zinnowitz ist nie ein reines Villenbad geworden. Zwischen restaurierten Häusern der Bäderarchitektur stehen Plattenbauten aus den Siebzigern, und die Preise für eine Ferienwohnung liegen meist unter denen im Inselsüden.

Ein Detail für Statistikfreunde: Im Klimamittel von 1961 bis 1990 kam Zinnowitz auf rund 1.917 Sonnenstunden im Jahr und galt damit als sonnigster Ort Deutschlands. Ein Titel, mit dem die ganze Insel bis heute wirbt.

Café an der Promenade
Café an der Promenade ©Madrabothair/depositphotos.com

Anreise nach Zinnowitz

Mit der Bahn führt der Weg über die Strecke Züssow, Wolgast, Ahlbeck. Die Regionalbahn RB 23 hält am Haltepunkt Wolgast Fähre, bevor sie über die Peenebrücke auf die Insel rollt. In Zinnowitz zweigt die RB 24 nach Peenemünde ab, eine der lohnendsten Kurzstrecken der Insel. Der Bahnhof liegt etwa einen Kilometer von der Strandpromenade entfernt, zu Fuß gut zu schaffen, mit schwerem Gepäck eher eine Sache für den Bus oder das Taxi.

Mit dem Auto geht es über die B 111, meist ab der A20-Anschlussstelle Gützkow. Die Straße ist gut ausgebaut, staut sich aber an Sommersamstagen vor der Zugbrücke in Wolgast regelmäßig. Wer kann, reist unter der Woche an oder morgens vor neun. Parkplätze im Ort sind bewirtschaftet, viele Vermieter stellen Stellplätze.

Flugreisende landen in Heringsdorf und steigen dort auf die Usedomer Bäderbahn um. Für Wassersportler gibt es den kleinen Hafen am Achterwasser, erreichbar über Peenestrom und Stettiner Haff.

Der Strand von Zinnowitz

Der Sand ist fein, hell und fällt flach ab, der Strand rund 40 Meter breit. Die Strandaufgänge sind mit Tiermotiven markiert, was beim Wiederfinden des eigenen Handtuchs mehr hilft als jede Nummer. Der Deutsche Rettungsdienst überwacht in der Saison einen Abschnitt von 1,5 Kilometern, üblicherweise von Mitte Mai bis Mitte September zwischen 9 und 18 Uhr. Der Strand trägt die Blaue Flagge, eine Auszeichnung, die jährlich neu vergeben wird.

Hundebesitzer gehen Richtung Zempin zum Aufgang 8A, dort liegt der Hundestrand. Strandkörbe werden an mehreren Aufgängen vermietet, in der Hochsaison sind die Reihen vorn früh ausgebucht. Wer Ruhe sucht, läuft zehn Minuten nach Norden Richtung Trassenheide, dort dünnt es sich merklich aus.

Seebrücke und Tauchgondel

Seebrücke Zinnowitz (Vinetabrücke)
Seebrücke Zinnowitz (Vinetabrücke) Bild: FrankBothe CC BY-SA 3.0

Die Strandpromenade ist für Autos gesperrt und nur zu Fuß oder mit dem Rad passierbar. Von hier führt der Weg auf die Seebrücke „Vineta“, 315 Meter lang, im Herbst 1993 eröffnet. Sie ist bereits die dritte Konstruktion an dieser Stelle: 1897 entstand eine Landungsbrücke für Ausflugsdampfer, 1908 folgte eine echte Seebrücke, deren letzte Reste 1963 beseitigt wurden.

Am Kopf der Brücke hängt die Tauchgondel, seit 2006 in Betrieb. Bis zu 24 Personen fahren darin etwa viereinhalb Meter unter die Wasseroberfläche und schauen durch die Bullaugen in die Ostsee. Ehrlich gesagt: Die Sicht hängt komplett vom Wetter ab. Nach mehreren Tagen Ostwind ist das Wasser trüb, dann sieht man wenig mehr als Schwebstoffe. Bei ruhiger See dagegen ziehen Heringsschwärme und Seesterne vorbei. Zur Überbrückung laufen Filme über das Leben in der Ostsee. Tickets gibt es direkt an der Gondel, nicht online.

Bernsteintherme: der Plan B bei Regen

Bernsteintherme
Bernsteintherme

Das frühere Meerwasserhallenbad ist heute die Bernsteintherme, das größte Schlechtwetterziel im Ort. Das Ostseewasserbad misst rund 850 Quadratmeter, das Thermalbad 450 Quadratmeter. Im Meerwasserbereich gibt es 25-Meter-Bahnen, ein Strömungsbecken, eine Rutsche und eine kleine Kletterwand, im Thermalbereich mit Sole angereichertes Wasser mit etwa 32 Grad und einen zehn Meter hohen Geysir. Der Saunabereich reicht von der finnischen Sauna über Sanarium und Farblichtsauna bis zum Hamam mit orientalischem Baderitual, aus der Strandsauna geht es direkt an die Ostsee.

Geöffnet ist üblicherweise täglich von 7 bis 21 Uhr, gezahlt wird ausschließlich mit Karte. Tageskarten lagen zuletzt im Bereich von etwa 10 bis 16,50 Euro, je nach Bereich und Dauer. Preise und Zeiten ändern sich, ein Blick auf die Seite des Hauses vor dem Besuch lohnt sich.

Bäderarchitektur, Konzertmuschel und ein Kunsthaus

Die Villen entlang der Promenade und in den Seitenstraßen mischen Klassizismus, Jugendstil und Renaissanceelemente, dazu Balkone, Giebel und Türmchen. Viele Häuser sind saniert, einige warten noch. Die Konzertmuschel stammt von 1939 und wird im Sommer für Kurkonzerte genutzt, oft kostenlos und erstaunlich gut besucht.

Ein Tipp abseits der üblichen Listen: das Usedomer Kunsthaus in der Villa Meyer, Wilhelm-Potenberg-Straße 1. Das Künstlerehepaar Brigitte und Reinhard Meyer betreibt es seit 2002 im eigenen Haus, gezeigt werden Malerei, Grafik und Plastik in wechselnden Ausstellungen. Wer schon dreimal an der Seebrücke war, findet hier eine echte Abwechslung.

Museum im Bahnhof

Bahnhof-Zinnowitz
Bahnhof-Zinnowitz Bild: Gunnar Klack CC BY-SA 4.0

Das Heimatmuseum ist ins Bahnhofsgebäude gezogen und wird ehrenamtlich von der Historischen Gesellschaft Ostseebad Zinnowitz betrieben. Die Ausstellung deckt mehr ab, als man von einem Ortsmuseum erwartet: Ur- und Frühgeschichte, die Entwicklung vom Fischerdorf zum Seebad, beide Weltkriege, die Inselbahn seit 1911 samt Modellbahnanlage, die Wismut-Zeit und die V-Waffen von Peenemünde.

Geöffnet montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr, am Wochenende von 13 bis 16 Uhr. Der Eintritt liegt bei 3 Euro mit Kurkarte, 4 Euro ohne, Schüler zahlen 1 Euro. Nur Barzahlung. Für Gruppen ab acht Personen gibt es Vorträge zu Bernstein, Bäderarchitektur und Wismut nach Anmeldung.

Was im Wald Richtung Zempin liegt

Der Kiefernwald zwischen Zinnowitz und Zempin sieht harmlos aus. Ab 1938 gehörte er zum Sperrgebiet der Heeresversuchsanstalt Peenemünde, zwischen 1943 und 1945 standen hier Feldstellungen für die V1, deren Betonreste sich teilweise bis heute im Unterholz finden. Der Naturlehrpfad Zempin führt auf rund neun Kilometern durch dieses Gebiet und erklärt neben Flora und Fauna auch die Geschichte. Wer sich für die Technikgeschichte interessiert, kombiniert das mit einer Fahrt der RB 24 ins Historisch-Technische Museum Peenemünde, keine 20 Minuten ab Zinnowitz.

Ebenfalls wenig bekannt: Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger unterhält hier seit 1882 eine Station. Und von 1955 bis 1990 war Zinnowitz Austragungsort des bedeutendsten internationalen Tennisturniers der DDR.

Die stille Seite: Hafen am Achterwasser

Die meisten Gäste sehen nur die Ostseeseite. Zwei Kilometer südlich, in der Hafenstraße 3, liegt der Wasserwanderrastplatz Störlaacke in einer kleinen natürlichen Bucht am Achterwasser. 91 Liegeplätze, Heimat des Zinnowitzer Yacht- und Segelclubs, dazu ein Restaurant und Sanitäranlagen. Von hier starten Rundfahrten über das Achterwasser, gelegentlich machen Flusskreuzfahrtschiffe fest.

Die Sonnenuntergänge sind hier anders als am Strand: kein Horizont, sondern Schilf, Reetdächer und flaches Wasser. Wir fahren meistens mit dem Rad hin, das dauert eine knappe Viertelstunde.

Vineta-Festspiele auf der Ostseebühne

Seit 1997 spielt die Vorpommersche Landesbühne auf der Ostseebühne im Wald, 1.300 Sitzplätze unter freiem Himmel. Gespielt wird die Sage von der versunkenen Stadt Vineta, jedes Jahr in neuer Fassung, mit Musik, Tanz, Pyrotechnik und Lasereffekten. Die Saison 2026 läuft vom 27. Juni bis 29. August, gespielt wird mittwochs, donnerstags und samstags ab 19:30 Uhr, Ende gegen 22 Uhr. Empfohlen ab fünf Jahren.

Eine Decke mitnehmen. Der Wald kühlt nach Sonnenuntergang schnell aus, und die letzte halbe Stunde sitzt man sonst frierend im Dunkeln.

Ganzjährig spielt das Theater „Die Blechbüchse“ im Ort, dazu kommt ein Clubkino mit zwei Sälen. Für einen Ort dieser Größe ist das viel.

Winterstrandkorbfest im Januar

Ende Januar wird es in Zinnowitz kurzzeitig voll. Beim Usedomer Winterstrandkorbfest tragen Zweierteams einen Strandkorb über 20 Meter durch den Sand, das schnellste Team wird Weltmeister im Strandkorbsprint. Dazu Lagerfeuer am Strand, Strandkorbauktion, Bademodenschau und Eisbader, die die Saison eröffnen. Wer Usedom im Winter erleben will, ohne allein zu sein, kommt zu diesem Wochenende.

Praktisches für die Planung

Die Kurabgabe beträgt 2026 in den Monaten Januar bis März sowie November und Dezember 3,30 Euro pro Tag, von April bis Oktober 3,70 Euro. Kinder unter sechs Jahren zahlen nichts. Die Kurkarte bringt Rabatte, unter anderem im Museum.

Beste Reisezeit: Juni und September. Im Juni ist das Wasser noch frisch, dafür sind die Tage lang und der Strand leer. Der September bringt warmes Wasser, ruhige Preise und die besten Sonnenuntergänge. Juli und August sind Familienzeit, dann ist der Ort voll und die Promenade abends dicht.

Bernstein findet man nach Weststurm am ehesten in den Spülsäumen, meist zwischen Seegras und Holzresten. Wer nicht selbst suchen will, geht in die Bernsteinwerkstatt „Bern-Stein-Reich“, dort gibt es Vorträge nach Anmeldung.

Häufige Fragen zu Zinnowitz

Wie lang ist die Seebrücke Zinnowitz?
Die Seebrücke „Vineta“ ist 315 Meter lang und wurde im Herbst 1993 eröffnet. An ihrem Kopf hängt die Tauchgondel.

Wie tief taucht die Tauchgondel Zinnowitz?
Rund viereinhalb Meter unter die Wasseroberfläche. Bis zu 24 Personen passen hinein, gefahren wird seit 2006. Bei starkem Wind lohnt sich die Fahrt kaum, weil das Wasser dann trüb ist.

Was kostet die Kurtaxe in Zinnowitz?
2026 kostet die Kurabgabe 3,70 Euro pro Tag von April bis Oktober und 3,30 Euro in den übrigen Monaten. Kinder unter sechs Jahren sind befreit.

Ist Zinnowitz für Familien geeignet?
Ja. Der Strand fällt flach ab, Bernsteintherme, Museum und Kino funktionieren bei Regen, und fast alles liegt in Gehweite. Der Bahnhof im Ort macht Urlaub ohne Auto realistisch.

Wie komme ich ohne Auto nach Zinnowitz?
Mit der Regionalbahn RB 23 von Züssow über Wolgast. Der Bahnhof Zinnowitz liegt etwa einen Kilometer von der Promenade entfernt, von dort fährt zusätzlich die RB 24 nach Peenemünde.

Was kann man in Zinnowitz bei Regen machen?
Bernsteintherme, Museum im Bahnhof, Usedomer Kunsthaus Villa Meyer, Theater „Die Blechbüchse“ und das Clubkino mit zwei Sälen.

Karte und Anfahrt

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