
Heiligendamm liegt in der Mecklenburger Bucht und ist ein Ortsteil der benachbarten Stadt Bad Doberan. Das 1793 gegründete Seebad gilt als ältestes Seebad Deutschlands und gehört zu den ältesten des europäischen Festlands. Seinen Beinamen „Weiße Stadt am Meer“ verdankt der Ort den schon vom Wasser aus sichtbaren strahlend weißen Häusern direkt am Strand.
Bekannt wurde Heiligendamm einem breiten Publikum vor allem durch den G8-Gipfel 2007, als sich die Staatschefs der wichtigsten Industrienationen im Grand Hotel trafen. Heute ist der Ort eine eigentümliche Mischung aus mondänem Luxusbad, Reha-Standort und ruhigem Strandziel, und genau das macht ihn so speziell. Wer Trubel wie in Warnemünde sucht, ist hier falsch. Wer dagegen Eleganz, Geschichte und einen ruhigen Strand will, ist goldrichtig.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte von Heiligendamm
Der Name geht auf eine natürliche Geländeform zurück. Eine etwa vier Kilometer lange und rund 30 Meter breite Erhöhung aus Kieseln zieht sich hier an der Küste entlang, der namensgebende „Heilige Damm“. Nach der Sage hatten Mönche während einer Sturmflut in Doberan gebetet, woraufhin der Damm zum Schutz entstanden sein soll. Tatsächlich entstand der Wall in seiner heutigen Form durch Sturmfluten im Spätmittelalter.
Das Seebad selbst entstand 1793 im Auftrag des mecklenburgischen Herzogs Friedrich Franz I., dem sein Leibarzt zu Meerbädern geraten hatte. Damit war der Grundstein für den deutschen Seebädertourismus gelegt. Zwischen 1853 und 1873 entstanden unter Friedrich Franz II. die Villen der „Perlenkette“ entlang der Promenade, allesamt kleinteilige Logierhäuser, die einen Trend setzten. Diese weiße Häuserzeile prägt das Bild bis heute.
Im Lauf der Zeit wechselte Heiligendamm oft den Besitzer. Schon Friedrich Franz II. musste sein Seebad 1872 nach geopolitischen Veränderungen und einer Sturmflut verkaufen. Nach der Wende kaufte die Fundus-Gruppe um Anno August Jagdfeld die Gebäude und sanierte die sechs Hauptgebäude von 2000 bis 2003 aufwendig. Im Juni 2003 eröffnete das Grand Hotel Heiligendamm im neuen alten Glanz, bis 2009 geführt von der Kempinski-Gruppe. Nach einer Insolvenz 2012 übernahm der Unternehmer Paul Morzynski 2013 das Hotel und führt es seitdem weiter.
Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele
Der klassizistische Ortskern
Das Sehenswerteste ist der historische Ortskern mit der „Perlenkette“ aus weißen Villen. Ein ehrlicher Hinweis: Nicht alles ist frei zugänglich. Teile des Areals gehören zum Hotelbetrieb oder sind in Privatbesitz, etwa die Eigentumswohnungen mit Hotelservice, die hier „Private Residenzen“ heißen. Die Promenade davor kannst du aber frei begehen, und von dort hast du den besten Blick auf die weiße Häuserfront.
Die Seebrücke
Die Seebrücke ist ein Muss. Von hier hast du einen weiten Blick über das Meer, und wenn du dich umdrehst, schiebt sich die Strandkulisse mit den schneeweißen Gebäuden ins Bild. Gerade für Fotos ist das der schönste Punkt im Ort.
Die Bäderbahn Molli
Ein Erlebnis für sich ist die historische Schmalspurbahn Molli. Die älteste Schmalspurbahn an der Ostsee verbindet Bad Doberan mit den Ostseebädern Heiligendamm und Kühlungsborn. Die dampfbetriebene Bahn tuckert mitten durch die Straßen und ist besonders bei Familien beliebt. Du kannst am Molli-Bahnhof in Bad Doberan einsteigen.
Der Badestrand
Der Strand ist breit, sandig und deutlich ruhiger als in den großen Seebädern. Viel Platz für Familien zum Buddeln, Baden und Entspannen. Das Wasser fällt flach ab, was für Kinder ideal ist.

Geheimtipps rund um Heiligendamm
Jetzt zu den Dingen, die nicht in jedem Reiseführer stehen.
Der Gespensterwald im Kleinen Wohld
Direkt in Heiligendamm liegt ein bewaldeter Steilküstenabschnitt, der Kleine Wohld. Die bizarr geformten „Windflüchter“-Bäume geben ihm den Beinamen „Gespensterwald“ oder „Geisterwald“. Was kaum jemand weiß: Im Wald verbergen sich historische Spuren. Hier findest du eine Gedenktafel zum 1. Deutschen Wasserflugzeugwettbewerb, Bombenkrater und den leeren Grundstein einer geplanten, nie verwirklichten NS-Eliteschule. Die langen Baugruben erkennt man erst, wenn man hineinsteigt. Ein versteckter, etwas morbider Geschichtsort mitten im Grünen.
Der Spiegelsee
Noch ein stiller Tipp im Kleinen Wohld. Wegen seiner ruhigen, windstillen Lage wird ein kleiner See im Wald „Spiegelsee“ genannt. Er ist nicht ausgeschildert und wenig gepflegt, aber genau das macht den Reiz für alle aus, die abseits der Promenade etwas entdecken wollen.
Der echte Gespensterwald in Nienhagen

Wenn dich die windschiefen Bäume faszinieren, fahr ein Stück weiter nach Nienhagen Richtung Warnemünde. Dort steht der weit über die Landesgrenzen bekannte Gespensterwald mit bis zu 170 Jahre alten Eichen, Buchen, Hainbuchen und Eschen, die durch Wind und salzhaltige Luft gespenstisch geformt sind. Der Wald liegt oberhalb einer bis zu zwölf Meter hohen Steilküste. Ein Strandspaziergang dort unten gehört zum Schönsten an dieser Küste.
Das Doberaner Münster
Nur wenige Kilometer entfernt in Bad Doberan steht das Doberaner Münster, eine der bedeutendsten Backsteinkirchen Norddeutschlands. Ein Besuch lohnt sich, und du kommst mit der Molli bequem hin. Viele Strandurlauber lassen das links liegen, dabei ist es ein echtes Highlight.
Praktische Tipps für deinen Besuch
Anreise und Parken
Ein wichtiger Hinweis, der Frust erspart: In Heiligendamm gibt es kostenpflichtige Parkplätze entlang der Küste im Osten, kostenloses Parken gibt es nicht. Unter Umständen läufst du ein gutes Stück bis zur Promenade, den Residenzen und dem Grand Hotel. Plane das ein, gerade in der Hochsaison. Eine entspannte Alternative ist die Anreise mit der Molli ab Bad Doberan.
Heiligendamm mit dem Rad
Der Ort liegt direkt am Ostseeküsten-Radweg und ist deshalb fürs Radfahren ideal. Bis zur Sommerrodelbahn in Bad Doberan sind es rund 13 Kilometer, eine schöne Tagestour mit dem Rad.
Wann hingehen?
Im Sommer ist Hauptsaison mit entsprechend mehr Betrieb. Wer es ruhig mag, kommt im späten Frühjahr oder September. Die „Weiße Stadt“ wirkt im klaren Herbstlicht besonders fotogen, und Strand wie Promenade sind dann angenehm leer.
Veranstaltungen in der Region
Das SEA & SAND Festival im benachbarten Kühlungsborn zählt zu den Veranstaltungshighlights der Gegend. Die Hotels in der Umgebung bieten zudem fast jedes Wochenende eigene Programme. Ein Blick in den regionalen Veranstaltungskalender lohnt sich vor der Anreise.









