Mittwochs 10 Uhr Strandf├╝hrungen Zingst

Kinder an der Ostsee

Wo leben Moostierchen, warum bilden manche Algen Blasen und welche Pflanze hat kilometerlange Wurzeln? Unsere Umweltp├Ądagogen vom Projekt ÔÇ×Schatz an der K├╝steÔÇť verraten bei ihren Entdeckertouren in Zingst (Mecklenburg-Vorpommern) spannende Strandgeheimnisse.

D├╝ne an der Ostsee
D├╝ne an der Ostsee

Am liebsten w├╝rden die Sch├╝ler aus Sch├Ânwalde bei Berlin ├╝ber den herrlichen, weichen Strand von Zingst ins Ostseewasser rennen, Kleckerburgen bauen, Drachen steigen lassen oder einfach nur in der Sonne liegen. Doch an diesem Mittwochvormittag wird ihr Urlaubsparadies zum Forschungsobjekt. ÔÇ×Sammelt alle Pflanzen und Tiere, die ihr am Strand finden k├ÂnntÔÇť, fordert Umweltbiologin Nicola Boll die Kinder auf. Neugierig laufen die Elf- und Zw├Âlfj├Ąhrigen los. Zehn Minuten sp├Ąter begutachten alle zusammen die Funde. ÔÇ×Muscheln, Tang, Seegras, das alles hat das Meer angesp├╝ltÔÇť, erkl├Ąrt die Biologin. ÔÇ×Wir sitzen gerade am Sp├╝lsaum der Ostsee.

Umweltbiologin Nicola Boll
Umweltbiologin Nicola Boll

Hier spuckt das Meer aus, was schon abgestorben ist.ÔÇť Sie h├Ąlt eine gr├╝ne Pflanze in die Luft, die einer glibschigen Gummischlange ├Ąhnelt. ÔÇ×Die Bl├Ąschen sind eine Art Schwimmfl├╝gelchen, die den Blasentang aufrecht im Wasser halten. Diese Alge lebt auf Felsen und Steinen, ist ein Zuhause f├╝r Muscheln und Krebse.ÔÇť Nicola Boll greift zu einer kleinen, wei├čen Muschel. ÔÇ×Wie alt ist diese HerzmuschelÔÇť, fragt sie die Sch├╝ler. Alle zucken ratlos die Schultern. ÔÇ×Schaut mal, die Muschel bildet Wachstumsringe ├Ąhnlich wie bei einer Baumscheibe.ÔÇť Jakob z├Ąhlt: ÔÇ×Eins, zwei, drei ÔÇŽ die Muschel ist sechs Jahre alt geworden.ÔÇť

Artenvielfalt an der Schatzk├╝ste

ÔÇ×Unsere Region, die K├╝ste der Ostsee, ist reichÔÇť, betont Strandf├╝hrerin Nicola Boll. ÔÇ×Artenreich! Bei uns ├╝berleben Tiere und Pflanzen, die in anderen Regionen l├Ąngst verschwunden sind. Damit haben wir einen richtigen Schatz an der K├╝ste. Und weil das so selten ist, geh├Ârt dieser Schatz zu 30 Hotspots der Biologischen Vielfalt, die besonders durch die Bundesrepublik gef├Ârdert werden. Wir k├╝mmern uns darum, dass es Bereiche am Strand gibt, in denen die Tiere und Pflanzen ungest├Ârt bleiben. Wir richten Kinderzimmer f├╝r Kegelrobben ein, in denen sie ungest├Ârt ihren Nachwuchs aufziehen k├Ânnen. Und wir sorgen daf├╝r, dass die Menschen erkennen, dass der Sand lebt.ÔÇť Der Bund f├╝r Umwelt und Natur Deutschland (BUND) in Rostock ist einer von neun Partnern des Projektes Schatz an der K├╝ste. Biologin Nicola Boll bietet gemeinsam mit zwei weiteren Mitarbeiterinnen des BUND diese kostenlosen Strandexkursionen an.

Frauen an der Ostsee bei einer Strandf├╝hrung
Frauen an der Ostsee bei einer Strandf├╝hrung

ÔÇ×Die meisten Urlauber, aber auch Einheimische, ahnen gar nicht, wie spannend der Strand ist. Sie denken, der Sand enth├Ąlt wenig Lebendiges. Dabei ist er sehr nahrhaft. In gesch├╝tzten Strandbereichen, die nur wenig betreten werden, entwickelt sich schnell eine erstaunlich Artenvielfalt.ÔÇť Sie zeigt auf vereinzelte, gr├╝ne Grashalme, die sich zaghaft aus dem Sand recken. ÔÇ×Das ist Strandhafer.

"Strandhafer"
“Strandhafer”

Einerseits ein Genie, andererseits eine echte Mimose. Um sich im Sand festzukrallen, bildet er ein kilometerlanges, verzweigtes Wurzelwerk ├╝ber mehrere Etagen.ÔÇť Die Sch├╝ler stutzen: ÔÇ×Und warum ist dann weit und breit kein Strandhafer am Ufer zu sehen?ÔÇť Die Biologin erkl├Ąrt: ÔÇ×Ein paar Tritte reichen schon, ihn so zu verletzen, dass er abstirbt.ÔÇť

Ein Eimer voller M├╝ll

Kinder sammeln M├╝ll an der Ostsee
Kinder sammeln M├╝ll an der Ostsee

Nach einer knappen Stunde geht es auf den R├╝ckweg. Nicola Boll verteilt Eimer und Handschuhe. ÔÇ×Nehmt auf dem R├╝ckweg gleich den M├╝ll mit, den ihr findet.ÔÇť Auf den ersten Blick sieht der Ostseestrand sauber aus. Umso erstaunlicher, was die Sch├╝ler alles aufsammeln: Dutzende Zigarettenkippen, Papiertaschent├╝cher, Verpackungen, einen ganzen Eimer voll. ÔÇ×Ich habe sogar eine leere Sektflasche gefundenÔÇť, schimpft Marlene. ÔÇ×Dabei stehen an jedem Ausgang M├╝llcontainer. Ich finde es doof, dass die Leute ihren M├╝ll nicht mitnehmen.ÔÇť M├╝ll, der nicht von den Schiffen stammt, sondern von den Strandbesuchern achtlos weggeworfen wurde.

Und wo leben nun die Moostierchen?

Nicola Boll hat es den Kindern verraten. Wenn Sie es auch wissen wollen, dann machen Sie doch einmal eine Strandf├╝hrung mit.


  • Die Entdeckertouren starten jeden Mittwoch, 10 Uhr, am Experimentarium und sind kostenfrei.
  • Anmeldung unter: experimentarium@zingst.de, Telefon: +49 (0)38232 84678

(Alle Fotos von der Ostseestiftung und Andreas Krone)

Pressemitteilung ├╝bermittelt von Jana Krone
PR- und ├ľffentlichkeitsarbeit
Schatz an der K├╝ste im Bundesprogramm Biologische Vielfalt
Naturschutzstiftung Deutsche Ostsee
OSTSEESTIFTUNG
Ellernholzstr. 1 / 3
17489 Greifswald

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