Legionellen Gefahr an der Ostsee?

Vorsicht Wasser

Momentane Situation an der Ostsee

Urlaub an der Ostsee ist wieder möglich. Die meisten Unterkünfte (Ferienwohnungen, Ferienhäuser aber auch Hotels) standen sehr lange Zeit leer. In dieser Zeit stand auch das Wasser in den Rohrleitungen und wurde nicht erneuert. Es ist möglich, dass sich in dieser Zeit Legionellen in den Leitungen gebildet haben.

Unser Tipp: Wenn sie jetzt an die Ostsee fahren und ihre Unterkunft übernehmen, lassen sie das heiße Wasser einige Minuten laufen, so das die Leitungen etwas gereinigt werden um das Risiko einer möglichen Infektion zu reduzieren. Ausserdem kann ein Legionellen Test sehr hilfreich sein.

Die Symptome einer Legionellen Infektion sind grippeähnlich. Da wir uns gerade von Corona verabschieden, sind die meisten noch sehr sensibilisiert, was die Symptomatik betrifft. Es wäre möglich, dass eventuuelle Symptome Corona zugeordnet werden aber es sich tatsächlich um Legionellen handelt. Bei Symptomen am besten immer Arzt aufsuchen.

Hier erfahren sie die wichtigsten Details zum Thema Legionellen

Was sind Legionellen?

Unter Legionellen versteht man stäbchenförmige Bakterien, die der Familie der Legionellaceae angehören. Sie leben und vermehren sich in Süßwasser und können beim Menschen nach Übertragung diverse Krankheiten verursachen, unter anderen die Legionellose, auch Legionärskrankheit genannt. Bisher sind 48 Arten bekannt, dazu 70 Serogruppen.
Die optimalen Vermehrungsbedingungen liegen bei 20-50° Celsius und in Gewässern, die Sedimente oder andere Ablagerungen als Nährstoffquelle besitzen.

Legionella pneumophila
Legionella pneumophila

Wie werden Legionellen übertragen?

Durch das Medium Wasser können sich die Bakterien bei entsprechenden Temperaturen in Wasserrohrsystemen gut vermehren. Infektionsherde entstehen vor allem in Einrichtungen mit Warmwasserversorgung, wie Bäder und Schwimmbecken, aber auch durch Klimaanlagen. Grundsätzlich über alle technischen Systeme, die Wassertröpfchen erzeugen, darunter Luftbefeuchter und Nebelerzeuger, da die Tröpfcheninfektion als häufigster Übertragungsweg gilt.

Welche Krankheitssymtome gibt es?

Die bekannteste von Legionellen verursachte Krankheit ist die Legionellose, oder Legionärskrankheit. Ihren Namen erhielt sie, als 1976 im Verlauf eines Kongresses der amerikanischen Legion 180 der Mitglieder an einer bis dahin unbekannten Bakterieninfektion erkrankten. Für 29 Betroffene endete die Krankheit tödlich.

Der Erreger der Legionärskrankheit ist in fast allen Fällen das legionella pneumophila. Als gefährlichstes Symptom steht die Lungenentzündung (Pneumonie), die unbehandelt oft fatale Folgen hat.

Die Krankheit wird meist nach einer Inkubationszeit von 2-10 Tagen symptomatisch, wobei das Krankheitsbild sehr vielfältig sein kann. Häufig sind hohes Fieber, Schüttelfrost, Husten und Muskelschmerzen. Darüber hinaus können Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Durchfall auftreten. Die gefährliche Lungenentzündung kann bei falscher oder ausbleibender Behandlung lebensbedrohlich enden. Bei diesem Verlauf der Legionärskrankheit liegt die Sterblichkeitsrate bei etwa 10-15%.

Die zweite, seltenere Variante tritt ohne Lungenentzündung auf und wird als Pontiac-Fieber bezeichnet. Die Inkubationszeit misst 5 Stunden bis 3 Tage. Die Symptome sind grippeähnlich und heilen meist innerhalb von sechs Wochen vollständig aus. Todesfälle sind bisher nicht bekannt.

Bei beiden Krankheitsverläufen sind die Patienten nicht infektiös.

Ist das ansteckend?

Die Übertragung von Mensch zu Mensch kommt äußerst selten vor. Auch das Trinken von kontaminiertem Wasser stellt für einen gesunden Menschen in der Regeln keine gesundheitliche Gefährdung dar.
Eine Infektion findet nur dann statt, wenn die Legionellen tief in die Lunge geraten, zum Beispiel durch Verschlucken (Aspiration) und Einatmen (Inhalation), beispielsweise von Wasserdampf.
Wichtig ist nach einer Ansteckung das Erkennen und Beseitigen der Quellen, um eine Ausbreitung zu verhindern. Gerade öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder oder Thermen müssen sofort über eine mögliche Legionellen-Kontamination informiert werden, um die entsprechenden Maßnahmen ergreifen zu können. Trotz gesetzlicher Auflagen gibt es keine Garantie, dass kein Infektionsrisiko besteht.

Wer ist besonders gefährdet?

Einem gesunden Menschen können die Bakterien in der Regel nichts anhaben. Ein deutlich höheres Risiko besteht für Personen mit geschwächtem Immunsystem und Lungenerkrankungen, wie chronischer Bronchitis, oder Patienten, die Immunsuppressiva einnehmen.
Des Weiteren steigt die Gefahr einer Infektion mit zunehmendem Alter, da die Leistung des Immunsystems abnimmt. Starker Tabak- und Alkoholkonsum erhöhen allgemein die Prävalenz für Infektionskrankheiten. Die Zahlen belegen, dass Männer häufiger betroffen sind als Frauen, Kinder hingegen erkranken nur selten.
Wie ist die Behandlung?

Als wichtigste Therapie gilt die medikamentöse Behandlung mit Antibiotika. Dabei kommen unter anderen die Medikamente Erythromycin, Azithromycin, und Fluorchinolone (Breitspektrum), dabei gibt es noch viele weitere. Die exakte Dosis, Dauer und Zusammensetzung muss je nach Patient abgestimmt werden.

Laut dem Infektionsschutzgesetz ist der Nachweis von Legionellen meldepflichtig.

Wie kann ich mich schützen?

Die beste Prophylaxe bildet ein intaktes Immunsystem. Eine abwechslungsreiche Ernährung, viel Bewegung an der frischen Luft und ein allgemein gesunder Lebensstil, sind eine gute Basis.
Eine Impfung gegen Legionellen-Infektion gibt es bisher nicht und hat auch keine hohe Dringlichkeit für die Pharma-Industrie, da die Inzidenzzahlen einerseits zu gering sind und sich die Krankheiten andererseits gut behandeln lassen.
Zur spezifischen Vermeidung, bzw. Dezimierung von Legionellen, gibt es diverse Methoden:

  • Abkochen: Das Trinkwasser kann abgekocht werden, da die Bakterien Temperaturen über 60° Celsius nicht überleben.
  • Ultrafiltration: Dabei werden spezielle Filter in die Wasserrohre eingesetzt, sie filtern das Wasser durch Membranen und machen es somit bakterienarm und virenfrei.
  • Desinfektion: Als temporäre Lösung kann Desinfektionsmittel verwendet werden, um bestimmte Areale, wie Bäder zu reinigen. (Vorsicht: nicht bei Trinkwasseranlagen einsetzen! Vergiftungsgefahr!)
  • Legionellen-Test: Es gibt Labore, die auch für Privatpersonen eine Wasserprobe auf die Bakterien untersuchen. Eine Analyse kostet je nach Anbieter um die 40 Euro und dauert wenige Tage bis 1 Woche.
  • Temperatur einstellen: Bei einem Haus mit zentraler Wassererwärmung sollte die Grundtemperatur auf mindestens 60° Celsius festgelegt werden, um zu verhindern, dass in keinem Rohrabschnitt 55° unterschritten werden.
  • Durchspülen: Bakterien aller Art vermehren sich bevorzugt in stehenden Gewässern, das schließt auch selten benutze Rohrleitungen mit ein. Zusammen mit Kalk und Schmutz Ablagerungen als Nährboden, kann die Legionellen-Population dort schnell gedeihen. Deswegen sollten alle Wasserleitungen regelmäßig durchgespült werden.
  • Vermeidung von Biofilm: Dabei handelt es sich um eine dünne Schicht, die viele Mikroorgansimen beheimatet. Sie legen sich gerne auf wässrige Oberflächen, beispielsweise Nebelbrunnen. Diese sollten zur Keimverminderung regelmäßig gründlich entfernt werden.

Legionellen stellen für einen gesunden Menschen kaum Gefahr dar, können für Vorerkrankte jedoch zum Problem werden. Allgemein sollten die Bakterien bei niemandem Panik und Angst vor Leitungswasser auslösen. Es ist immerhin gut zu wissen: Was sind Legionellen eigentlich? Doch ist es auch aus vielen hygienischen Gründen ratsam, die Wasserqualität im eigenen Haushalt regelmäßig zu kontrollieren und Flächen, die viel mit Wasser in Kontakt kommen, gründlich zu reinigen. Schaden wird es mit Sicherheit nicht.

Quellen: infektionsschutz.de, doccheck.com

Siehe auch: Vibrionen in der Ostsee

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