Erste Hilfe bei Feuerquallen: Was tun bei Quallenstich?

Feuerquallen an der Ostsee
Feuerquallen an der Ostsee

Die gelbe Haarqualle oder Nesselqualle, bei uns meist Feuerqualle genannt, wird mindestens einmal im Jahr zum Medienthema. Reißerische Überschriften lösen dann Panik bei Urlaubern aus, manche wollen gar nicht mehr in der Ostsee baden oder sagen den Urlaub ab. Das ist übertrieben. Wer ein paar einfache Regeln kennt, kann einer Feuerqualle aus dem Weg gehen und weiß im Fall der Fälle, was zu tun ist. Genau darum geht es hier.

Zur Einordnung: Die giftigste Qualle der Welt ist die Seewespe vor Australien, ihr Gift kann tödlich sein. Davon ist die Feuerqualle weit entfernt. An ihrem Kontakt stirbt niemand, und selbst bei vermehrtem Aufkommen gibt es in der Regel kein Badeverbot. Ein einzelnes Tier ist also kein Grund, auf den Ostseeurlaub zu verzichten.

Erste Hilfe bei Feuerquallen, Schritt für Schritt

Das Wichtigste zuerst, denn deshalb bist du vermutlich hier. Wenn dich eine Feuerqualle erwischt hat, zählt vor allem, dass nicht noch mehr Gift freigesetzt wird. Die feinen Nesselfäden kleben auf der Haut und feuern bei falscher Behandlung nach.

1. Ruhe bewahren und raus aus dem Wasser

Verlasse das Wasser und vermeide hektisches Reiben. Je ruhiger du bleibst, desto besser.

2. Nesselfäden richtig entfernen

Die anhaftenden Fäden mit Salzwasser (Meerwasser) anfeuchten, nicht spülen, dann mit feinem Sand bestreuen, kurz antrocknen lassen und mit einem stumpfen Gegenstand wie einer Plastikkarte (EC- oder Kreditkarte) vorsichtig abschaben. Das löst die Tentakel, ohne sie zu zerquetschen.

3. Was du auf keinen Fall tun solltest

Kein Süßwasser und kein Alkohol. Beides löst durch den osmotischen Reiz aus, dass die noch intakten Nesselkapseln nachfeuern und zusätzliches Gift freisetzen. Ebenso wenig solltest du die Stelle mit der bloßen Hand oder einem Handtuch abreiben, das verschlimmert die Verletzung deutlich. Auch Urin hilft nicht, das ist ein Mythos.

4. Kühlen und Schmerz lindern

Danach die Stelle kühlen. Eiswürfel in einer Plastiktüte (etwa vom nächsten Eisverkäufer oder Café) eignen sich gut, das kalte Pack aber nie direkt auf die offene Haut legen, sondern in die Tüte oder ein sauberes Tuch. Ein Gel wie Fenistil kann Juckreiz und Schmerz zusätzlich lindern.

Was ist mit Essig und Rasierschaum?

Hier wird viel widersprüchliches geschrieben. Für die europäischen Nesselquallen wie die Feuerqualle gilt Essig nach Einschätzung mehrerer Stellen, darunter Rettungsorganisationen, als geeignetes Mittel zum Anfeuchten vor dem Abschaben. Anders als bei tropischen Würfelquallen, wo Essig schaden kann, ist er bei unseren Arten in der Regel unproblematisch. Rasierschaum ist ein verbreiteter Tipp, der das Abschaben erleichtert, viele DLRG-Stationen haben Flaschen vorrätig. Wenn du unsicher bist, bleib einfach bei der sicheren Variante: Salzwasser und Sand, kein Süßwasser, kein Alkohol.

Bei Kreislaufstörungen wie Schwindel, Übelkeit, Erbrechen oder allgemeinem Unwohlsein solltest du einen Arzt aufsuchen. Das gilt besonders für Kinder, ältere Menschen und Allergiker. Einen diensthabenden Arzt findest du meist auf den Webseiten der Urlaubsregion, oder du fragst kurz einen Einheimischen in der Nähe. Im Notfall: 112.

Woher kommt der Schmerz?

Schuld sind die Nesselzellen an den fast unsichtbaren Tentakeln. Pro Zentimeter können es bis zu 1000 sein. Sie stechen in die Haut und geben ein Nesselgift ab. Ist es einmal in der Haut, lässt es sich nicht mehr herausziehen, deshalb zählt jede Minute beim richtigen Entfernen der Fäden. Der Schmerz fühlt sich an wie eine kräftige Berührung mit Brennnesseln, dazu kommen Rötung, oft Striemen und manchmal Bläschen.

Feuerqualle
Feuerqualle ©karegg/depositphotos.com

Ist die Feuerqualle gefährlich?

Für gesunde Menschen ist der Kontakt nicht gefährlich, aber sehr schmerzhaft. Bei empfindlichen Personen, nach wiederholtem Kontakt oder bei Allergikern kann es allergische Reaktionen bis hin zu Herz-Kreislauf-Beschwerden geben, im Extremfall bis zum Kollaps. Tückisch: Auch an toten, angespülten Quallen kann man sich noch verbrennen, weil die Nesselzellen aktiv bleiben. Angespülte Tiere also nicht anfassen.

Wo leben Feuerquallen?

Eigentlich ist die Feuerqualle in der Nordsee zu Hause. In die Ostsee gelangt sie vor allem im Spätsommer, wenn Wind und Strömung sie hineintreiben. Quallen bestehen zu rund 98 Prozent aus Wasser und sind schlechte Schwimmer, sie treiben also mehr, als dass sie schwimmen. An warmen Tagen steigen sie an die Oberfläche und werden von der Strömung erfasst, dann landen sie auch mal am Strand. Die Art selbst gehört zu den größten der Welt, einzelne Exemplare erreichen über zwei Meter Schirmdurchmesser und meterlange Tentakel. Die Tiere, die typischerweise an Ostseestränden ankommen, sind aber meist nur tellergroß.

Wie lange bleiben die Feuerquallen?

Sobald der Wind dreht und wieder aus nordöstlicher Richtung weht, treiben Strömung und Wind die Feuerquallen zurück in die Nordsee.

Feuerqualle und Ohrenqualle unterscheiden

Die Feuerqualle lässt sich leicht von der harmlosen Ohrenqualle unterscheiden. Die Ohrenqualle ist fast durchsichtig und trägt vier weiße bis lilafarbene Ringe auf der Oberseite (ihre Geschlechtsorgane). Sie nesselt nicht. Auch die blaue Nesselqualle und die Kompassqualle kommen an der Ostsee vor, sind aber deutlich weniger problematisch als die Feuerqualle.

Gelbe Haarqualle
Gelbe Haarqualle über einer Seegraswiese, Bild: Wusel007 CC BY-SA 3.0

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