Wenn Ihr an der polnischen Ostseeküste unterwegs seid und nach einem Ziel sucht, das nicht in jedem Reiseführer ganz oben steht, lohnt der kleine Abstecher ins Landesinnere. Stargard liegt rund 30 Kilometer östlich von Stettin am Fluss Ina und gehört zu den ältesten Städten Pommerns. Schon 1140 taucht ein „castrum Stargord“ in den Quellen auf, der slawische Name bedeutet so viel wie alte Burg. Im 14. Jahrhundert blühte die Stadt als Hansemitglied auf, und genau dieses Erbe macht sie 2026 wieder zum Gastgeber des Internationalen Hansetages.
Der große Vorteil gegenüber den bekannten Küstenorten: Hier geht es entspannt zu. Stargard zählt rund 67.000 Einwohner, große Besucherströme muss man nicht fürchten. Wer durch die Altstadt schlendert, hat die Backsteingotik oft fast für sich allein. Für viele Reisende aus Deutschland ist die Stadt noch ein echter Geheimtipp in Westpommern.
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Was Stargard besonders macht
Das Herzstück ist die Marienkirche, offiziell die Stiftskirche der Heiligen Jungfrau Maria, Königin der Welt. Sie gilt als eine der bedeutendsten gotischen Backsteinkirchen Polens und ist das größte Bauwerk der Stadt. Ihre Ursprünge reichen bis ans Ende des 13. Jahrhunderts zurück. Bis 1945 war sie evangelisch, danach wurde sie wieder katholisch. Wer den Turm besteigt, wird mit einem weiten Blick über die Dächer der Altstadt belohnt.
Genauso prägend ist die Stadtmauer. Über einen Kilometer ist sie noch erhalten, dazu vier Stadttore und eine ganze Reihe von Türmen. Einst war die Mauer bis zu acht Meter hoch. Heute zieht sich entlang der Befestigung ein grüner Wallweg, der zum Spaziergang einlädt und ein bisschen an die Wallanlagen von Brügge erinnert.

Besonders sehenswert:
- Mühlentor (Brama Młyńska): ein zweitürmiges Wassertor, das direkt über die Ina gebaut wurde. So etwas findet man in Polen kein zweites Mal.
- Walltor (Brama Wałowa): das einzige Tor in ganz Pommern, das Gotik und Renaissance verbindet. Nach dem Stadtbrand von 1635 bekam es seine geschwungenen Giebel.
- Weberturm (auch Eisturm): einer der markantesten Türme, dessen massiver Sockel von der Straße aus fast wie ein Schiffsrumpf wirkt.
Rund um den rechteckigen Alten Markt stehen das Renaissancerathaus und die Alte Wache. Wer tiefer in die Geschichte eintauchen will, besucht das Archäologisch-Historische Museum, das gleich am Markt liegt.
Wie komme ich nach Stargard?
Die Anreise ist unkompliziert, weil Stargard ein wichtiger Verkehrsknoten ist. Von Stettin aus seid Ihr per Bahn oder Auto in gut 30 Minuten da, Züge fahren regelmäßig. Über die Landesstraße 10 ist die Stadt gut ans Straßennetz angebunden.
Für alle, die ohnehin an der Küste Urlaub machen: Von den Badeorten auf Usedom oder rund um Swinemünde sind es je nach Startpunkt ein bis zwei Stunden. Das macht Stargard zu einem idealen Tagesausflug, wenn Ihr dem Strand mal einen Kulturtag entgegensetzen wollt. Wer aus Deutschland anreist, nimmt meist den Weg über Stettin.
Kulinarisches: pommersch und bodenständig

In Stargard esst Ihr ehrlich und regional. Die Küche Westpommerns setzt auf Süßwasserfisch, Wild und deftige polnische Klassiker. Im nahen Madüsee (Jezioro Miedwie) wird seit jeher gefischt, eine Spezialität ist die Madüsee-Maräne, eine Schnäpelart, die es so nur hier gibt. Auf der Speisekarte landen außerdem oft Hecht, Zander und Aal aus den Gewässern der Region.
Probiert Euch durch die polnische Standardküche, die richtig gut gemacht wird: Pierogi mit verschiedenen Füllungen, Żurek als säuerliche Sauerteigsuppe, gefüllte Kohlrouladen (Gołąbki) und im Sommer der kalte Rote-Bete-Drink Chłodnik. Rund um den Alten Markt findet Ihr Cafés und kleine Lokale, dazu hat Stargard mit dem Browar Stargard und einem Stadtbrauhaus eine eigene Bierkultur. Wer es süß mag, kommt an einer frischen polnischen Hefeschnecke oder einem Stück Sernik (Käsekuchen) nicht vorbei.
Ausflugsziele rund um Stargard

Das Umland ist ländlich und ruhig, geprägt von Dörfern, Feldern und Wasser. Wer Stargard als Basis nimmt, hat einiges in Reichweite:
- Madüsee (Jezioro Miedwie): der fünftgrößte See Polens, rund zehn Kilometer westlich. Ein Paradies für Angler und Spaziergänger. In Morzyczyn führt eine Promenade direkt am Wasser entlang, mit langen Stegen und fast schon Strandpromenaden-Flair. Abends spiegelt sich der Sonnenuntergang in der weiten Wasserfläche.
- Stettin (Szczecin): die Hauptstadt Westpommerns mit Hakenterrasse, Schloss der Pommernherzöge und einer lebendigen Gastroszene. In gut 30 Minuten erreichbar und perfekt für einen Großstadttag.
- Insko-See (Jezioro Ińsko): von Moränenhügeln umgeben, mit zerklüfteter Uferlinie. Wirkt fast wie aus einer bergigeren Gegend versetzt und ist ein schönes Ziel für Naturliebhaber.
- Pommersche Küste: Kolberg (Kołobrzeg) mit seiner Strandpromenade und dem Hafenflair ist ein lohnender Tagestrip, wenn Euch nach Meer ist.
Wann lohnt sich der Besuch?
Die schönste Zeit ist von Mai bis September, wenn die Wallanlagen grün sind und der Madüsee zum Verweilen einlädt. Ein besonderes Highlight ist der Internationale Hansetag vom 11. bis 14. Juni 2026: Vier Tage lang verwandelt sich die Altstadt in eine Bühne für Märkte, Konzerte und Ausstellungen, Hansestädte aus ganz Europa sind zu Gast. Wer Stargard von seiner lebendigsten Seite erleben will, plant den Besuch genau dann. Wer es lieber ruhig mag, kommt außerhalb dieses Termins und genießt die Stadt in ihrem entspannten Alltagsrhythmus.









