Russische Ostsee
Selenogradsk – Russische Ostsee ©MaykovNikita/depositphotos.com

Die Ostseeküste zählt zu den beliebtesten Urlaubszielen der Deutschen – eben weil sie so vielfältig und teilweise noch so naturbelassen ist. Ob einsame Steilküste oder feiner Puderzucker-Sandstrand, lebhafte Badeorte oder stille Fischerdörfer, bunte Hafenstädte oder geschichtsträchtige Orte: An der Ostsee findet jeder das richtige Ambiente. Das gilt für die deutsche und die polnische Ostsee ebenso wie für die russische Ostsee. Im Folgenden stellen wir Ihnen die russischen Ostseeregionen und ihre Highlights vor.


Ostsee Urlaub

Beschreibung

Auch Russland ist ein Anrainerstaat der Ostsee – wenn auch der russische Küstenabschnitt vergleichsweise klein ist. Das Gebiet um die Exklave Kaliningrad zwischen Polen und Litauen auf der einen Seite und der nordöstlichste Zipfel der Ostsee im Finnischen Meerbusen auf der anderen sind dennoch höchst interessante Reiseziele. Bei deutschen Urlaubern noch weitgehend unbekannt, lohnt sich ein Besuch auf jeden Fall: Die russischen Ostseeküsten sind landschaftlich einzigartig und die gesamte Region atmet Geschichte – eine Geschichte, zu der immer auch Deutsche gehört haben.

Kaliningrad

Kaliningrad, das ehemalige ostpreußische Königsberg, und sein Umland wurden nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen des Potsdamer Abkommens der damaligen Sowjetunion zugesprochen. Die Exklave sicherte Russland damit einen eisfreien Ostseehafen. Lange war Kaliningrad Militärsperrgebiet – eine abgeschottete Stadt, die für Reisende kaum zugänglich war. Heute lassen sich in der Region zwei der landschaftlich schönsten Gegenden des ehemaligen Nordostpreußens erkunden: das Samland und die Kurische Nehrung.

Kurische Nehrung ©tsuguliev/depositphotos.com
Kurische Nehrung ©tsuguliev/depositphotos.com

Die Kurische Nehrung ist eine knapp 100 Kilometer lange, schmale Halbinsel, die das Frische Haff mit seinem Süßwasser von der offenen Ostsee trennt. Etwa die Hälfte des Gebietes gehört zu Russland, der andere Teil zu Litauen. Auf dem schmalen Landstreifen erheben sich die größten Wanderdünen der Ostsee – gewaltige, wandernde Sandberge, die in der Vergangenheit ganze Dörfer unter sich begraben haben. Die Landschaft ist einzigartig; heute steht das Gebiet auf beiden Seiten der Grenze unter Naturschutz. Die wahrscheinlich größte Wanderdüne Europas, die Parnidis-Düne, liegt direkt an der Grenzlinie.

Das Samland beginnt bei Kaliningrad/Königsberg und reicht bis Baltijsk/Pillau. Hier lagen einst bekannte und mondäne ostpreußische Seebäder wie Rauschen und Cranz. Seit dem frühen 19. Jahrhundert kurten und erholten sich hier Adel und bürgerliche Oberschicht; viele Künstler besaßen Ferienwohnungen in der Region. Rund 1.000 Kilometer weiter nordöstlich, bei der estnisch-russischen Zwillingsstadt Narva/Ivangorod, beginnt ein weiterer Abschnitt der russischen Ostseeküste, der bis in die Nähe von Wyborg an der finnischen Grenze reicht. Das unbestrittene Herzstück dieses Küstenabschnittes ist Sankt Petersburg.

Swetlogorsk

Das frühere Rauschen war eines der bekanntesten Seebäder Nordostpreußens. Nach dem Krieg und Jahrzehnten der Abschottung in einen Dornröschenschlaf versunken, hat es sich in den letzten Jahren zu einem wieder sehr beliebten Urlaubsort mit viel Charme und Flair entwickelt. Noch immer sind viele Relikte vergangener Tage erhalten: wunderschöne Strandvillen und urige Holzhäuser wechseln sich mit Neubauten ab. Highlight der Stadt ist die lange Strandpromenade mit ihrem goldfarben-feinen Sandstrand. Im Sommer ist in Swetlogorsk einiges geboten – neben einem aktiven Strandleben finden regelmäßig kulturelle Veranstaltungen statt, darunter Festivals und Theateraufführungen im Freien.

Selenogradsk

Die Kleinstadt hieß bis 1946 Cranz und war ebenfalls ein ostpreußischer Badeort – sogar noch etwas mondäner als das benachbarte Rauschen. Heute geht es beschaulicher und ruhiger zu als in Swetlogorsk. Steile Küstenabschnitte gibt es hier kaum, dafür ist der Strand besonders breit und schön. Wer Ruhe und Natur sucht und sich für Geschichte interessiert, wird vom etwas melancholischen Charme Selenogradsk begeistert sein.

Überall im Samland zeigt sich die Natur von ihrer schönsten Seite: breite weiße Strände, schroffe Steilküsten, dichte unberührte Wälder und stille Flussauen prägen das Bild. Auch die Tierwelt ist bemerkenswert. In Rybachy, dem früheren Rositten, befindet sich eine bedeutende Vogelwarte, die 1901 von einem deutschen Ornithologen gegründet wurde. Eine sehenswerte Ausstellung gibt dort Einblick in die Vogelwelt der Region.

Sankt Petersburg

St Petersburg Russische Ostsee

Die zweitgrößte Stadt Russlands mit rund fünf Millionen Einwohnern liegt am Ende des Finnischen Meerbusens, an der Mündung des Flusses Newa in die Ostsee. Zar Peter der Große gründete sie 1703 auf sumpfigem Gelände, um Russland einen dauerhaften Zugang zur Ostsee zu sichern. Vom 18. bis ins 20. Jahrhundert war Petersburg die Hauptstadt des Russischen Reiches und Residenz der Zaren.

Noch heute ist die Stadt von überwältigender Pracht: Paläste, Schlösser und Parks, goldene Kirchenkuppeln und reich verzierte Brücken über die vielen Kanäle und die Newa bestimmen das Stadtbild. Allein in der historischen Innenstadt stehen über 2.000 Prunkbauten aus der Zarenzeit – viele davon aufwendig restauriert und heute Heimat von Museen, Galerien, Theatern und Behörden. Der Newski Prospekt, eine viereinhalb Kilometer lange Prachtstraße im Stadtzentrum, kann es mühelos mit den Champs-Élysées in Paris aufnehmen, die zahlreichen Kanäle erinnern an Venedig, und die berühmte Eremitage mit ihren unermesslichen Kunstschätzen lässt sich tagelang erkunden.

Weltberühmt sind die Weißen Nächte von Petersburg: Rund um die Sommersonnenwende wird es hier im Norden nicht vollständig dunkel. Die Stadt, die dann keine Sekunde schläft, mit ihren unzähligen Vergnügungen und Konzerten, ist in diesen Stunden in ein magisches Licht getaucht – und gilt als einer der romantischsten Orte der Welt. Auch außerhalb dieser Zeit ist Sankt Petersburg eine bezaubernde Metropole. Die Kreuzfahrtindustrie weiß das – die Stadt verfügt über einen eigenen Kreuzfahrthafen, an dem täglich Schiffe aus aller Welt anlegen. Darüber hinaus verbinden Linienfähren Petersburg mit Helsinki, Stockholm, Riga und Tallinn. Im Winter dagegen ist der innere Finnische Meerbusen häufig zugefroren; mit etwas Glück gleitet man dann im Luftkissenboot über das Eis und spürt die erstarrten Wellen unter sich.

Kronstadt

Unweit von Petersburg liegt auf der Insel Kotlin die faszinierende Festungsstadt Kronstadt, durch einen Damm und einen Tunnel mit dem Festland verbunden. Einst als schier uneinnehmbare Verteidigungsanlage errichtet, um Petersburg vor Angriffen vom Meer her zu schützen, ließ Peter der Große sie gleichzeitig mit seiner neuen Hauptstadt erbauen. Bis 1966 war Kronstadt Militärsperrgebiet und nur mit Sondergenehmigung zugänglich. Heute ist es ein beliebtes Ausflugsziel, bei dem Besucher sowohl die historische Altstadt als auch zahlreiche Festungsanlagen erkunden können. Kronstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Besonders sehenswert ist die riesige Marine-Kathedrale des Heiligen Nikolaus im Stadtzentrum. Das Kreuz auf ihrem hohen Turm diente den nach Petersburg einlaufenden Schiffen einst als weithin sichtbarer Orientierungspunkt. Die Fenster der Kathedrale ähneln Schiffsbulaugen, der Fußboden ist mit Meerestieren verziert. Wegen ihrer imposanten Kuppel wird sie gelegentlich mit der Hagia Sophia in Istanbul verglichen. Lohnenswert ist auch ein Besuch des Forts Großfürst Konstantin: Das ehemalige Artillerietestgelände beherbergt heute ein Kulturzentrum und einen Jachtclub – von seinen Mauern aus bietet sich ein herrlicher Blick über die Bucht.

Wyborg

Wyborg liegt im äußersten Nordosten der russischen Ostseeküste, nahe der russisch-finnischen Grenze in der Region Karelien. Im Mittelalter von den Schweden gegründet, wechselte die Stadt im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Besitzer: Sie war schwedisch, dann russisch, später finnisch und kam während des Zweiten Weltkrieges endgültig zu Russland – wobei die finnische, schwedische und teilweise auch deutsche Bevölkerung zu großen Teilen zwangsumgesiedelt wurde.

Im alten Stadtzentrum begegnet man auf Schritt und Tritt den Spuren dieser bewegten Geschichte. Mit seinen engen, manchmal verfallenden Gassen und der mittelalterlichen Burg wirkt Wyborg wie aus der Zeit gefallen – es gehört nirgendwo so recht dazu, und gerade das macht seinen eigentümlichen Reiz aus. Die Bauwerke sind weder typisch russisch noch eindeutig finnisch oder schwedisch, sondern eine anrührende Mischung aus all dem. Daneben gibt es das moderne Wyborg der Sowjetzeit mit breiten Straßen, gleichförmigen Wohnblöcken und schmucklosen Industriebauten – und dazwischen immer wieder verspielte Giebel aus der finnischen Ära, geschmückt mit Türmchen und Erkern.

Einreise und Reisehinweise

Wichtiger Hinweis (Stand 2024/2025): Aufgrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine seit Februar 2022 rät das Auswärtige Amt deutschen Staatsangehörigen von Reisen nach Russland ab. Es bestehen erhebliche Sicherheitsrisiken, direkte Flugverbindungen zwischen Deutschland und Russland wurden eingestellt, und die konsularische Betreuung ist stark eingeschränkt. Bitte informieren Sie sich vor einer Reiseplanung stets über die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes.

Für künftige Reisen – sobald die Umstände dies wieder erlauben – gelten folgende Grundregeln: Deutsche Staatsbürger benötigen zur Einreise nach Russland einen gültigen Reisepass sowie ein Visum, das von der zuständigen russischen Auslandsvertretung ausgestellt wird. Bei Pauschalreisen übernimmt der Veranstalter in der Regel alle Formalitäten. Wer individuell einreist, kann das Visum direkt bei einer offiziellen Visastelle oder über ein Visumszentrum beantragen.

Kreuzfahrt- und Fährgäste im Rahmen organisierter Gruppenreisen benötigen kein Visum, sofern sie sich nicht länger als 72 Stunden und nur im Bereich der jeweiligen Hafenstadt aufhalten – in diesem Fall übernimmt der Veranstalter oder die Reederei die Anmeldung.

Auch bei Reisen in die Exklave Kaliningrad ist ein Visum erforderlich. Auf dem Landweg über Polen benötigen EU-Bürger für die Durchreise durch Polen weder Pass noch Visum – der Personalausweis genügt. Eine alternative Anreiseroute nach Kaliningrad oder auf den russischen Teil der Kurischen Nehrung bietet die Fähre von Kiel oder Sassnitz nach Klaipeda in Litauen. Von dort gelangt man mit einer kurzen Fährüberfahrt nach Smiltyne auf der Nehrung und weiter über die russische Grenze. Auf dem Landweg führt die Route von Klaipeda über Sowjetsk (das frühere Tilsit) in das Kaliningrader Gebiet. Auch für die Durchreise durch Litauen als EU-Bürger reicht der Personalausweis.

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